Rund 30 Eltviller Einwohner folgten der Einladung des SPD-Ortsvereins zur Auftaktveranstaltung der „Perspektiv-Gespräche“ im Hotel Frankenbach. Thema der ersten Veranstaltung war Eltville als
soziale Stadt.
Die festgehaltenen Ergebnisse werden nun den Teilnehmern zur Verfügung gestellt und fließen in die politische Arbeit der SPD ein.
„Was verstehen Sie eigentlich unter dem Begriff soziales Eltville“, hatte SPD-Ortsvereinsvorsitzender Ralf Bachmann zu Beginn der Veranstaltung die Grundsatzfrage gestellt. Er und seine
Parteikollegen seien über die starke Beteiligung schon beim ersten Termin sehr erfreut. Schließlich müsse man als Partei „davon wegkommen, den Bürgern nur abgeschlossene Ideen zur
Begutachtung vorzulegen“. Wichtiger sei es vielmehr einen dauerhaften Austausch zu etablieren. Hierzu sollen auch die Perspektiv-Gespräche dienen, die von nun an in unregelmäßigen Abständen
in allen Stadtteilen stattfinden sollen.
Zur Einleitung stellte Bachmann aktuelle Zahlen sowie Prognosen bis zum Jahr 2025 zur Bevölkerungsentwicklung, dem demografischen Wandel und der Sozialstruktur vor. Eltville habe gerade im
Vergleich zum übrigen Rheingau-Taunus-Kreis das Glück, dass viele Kinder hier ihr Zuhause hätten. Dennoch liege nach Erhebungen der Bertelsmann Stiftung die Zahl der unter 18-Jährigen im Jahr
2025 schon wieder unter dem Durchschnitt des Kreises. Die Zahl der über 80-Jährigen verdopple sich allerdings annähernd. „Das sind alles sehr eindrucksvolle Fakten, denen wir in den
politischen Entscheidungen Rechnung tragen müssen“, kommentierte der Erbacher Ortsvorsteher Dieter Sälzer.
Im Anschluss an die Einführung informierte der SPD-Fraktionsvorsitzende Matthias Hannes über die aktuelle Haushaltslage, die von einem hohen Minus im täglichen Verwaltungsgeschäft und einem
vergleichsweise geringen Anteil an freiwilligen Leistungen in Eltville geprägt sei. Flankierend seien allerdings sehr hohe Investitionen des Kreises in die Eltviller Schullandschaft
vorgenommen worden.
Auf Grundlage der vorgestellten Fakten kam es zu einer regen Diskussion. Schnell füllten sich große Flipchart-Blätter, auf denen die Juso-Vorsitzende Katarina Pfaff die vorgetragenen
Herausforderungen an eine soziale Stadt Eltville festhielt. Anhand einer sogenannnten Zielpyramide mit dem Oberziel der sozialen Stadt wurden weitere aktuelle Probleme, Entwicklungen und
Lösungsansätze formuliert. „Es handelt sich dabei um ein dreigeteiltes Vorgehen. Zunächst werden Ober- und Mittelziel formuliert, danach die einzelnen Maßnahmen zur Umsetzung benannt“,
stellte Ralf Bachmann die Methodik vor.
Ein Bürger aus Eltville wies auf das Thema des generationenübergreifenden Wohnens hin. Hier erhielt er aus dem Kreise der Anwesenden große Zustimmung. Ein Mehrgenerationenhaus müsse auch
ansprechende Möglichkeiten des gegenseitigen Besuchs und Austauschs bieten. Wie eine Teilnehmerin aus der Eltviller Stadtverwaltung mitteilte, seien bereits im Mütterzentrum solche Angebote
vorhanden. Es wurde allerdings schnell klar, dass noch große Bemühungen und Bewerbung dieser Angebote erforderlich würden, da viele dieser sinnvollen Einrichtungen auch bei den anwesenden
Bürgern noch nicht bekannt waren. Zudem sei die Nachfrage bisher recht übersichtlich. Die Messe „soziale Stadt“ sei hierzu ein richtiger Schritt, der allerdings nun nicht enden dürfe, so die
erkennbare Meinung.
Ein Besucher der Veranstaltung verwies auf die baurechtlichen Einflussnahme auf die seniorengerechte und ökologische Ausgestaltung neuer Häuser. Ihm pflichtete eine Bürgerin aus Eltville bei,
man solle gerade damit frühzeitig ermöglichen, dass beispielsweise durch kleinere Einliegerwohnungen eine Pflege im Rahmen der Familie stattfinden könne. Aus dem Teilnehmerkreis wurde auch
das Beispiel Italien gelobt, wo es hierzu zahlreiche gute Konzepte gibt. Dort werde auch durch staatliche Förderungen die Installation von Aufzugsanlagen in Einfamilienhäusern unterstützt,
was für die selbständige Mobilität älterer Menschen besonders zuträglich sei.
Ein weiterer Punkt, der eingebracht wurde, war die weitere Entwicklung der Kinder- und Jugendbetreuung. Matthias Hannes erinnerte an die in Etville angestrebte Deckung der rechtlichen
Mindestanforderungen. Es müsse aber auch überlegt werden, ob eine darüber hinausgehende Versorgung mit Betreuungsplätzen ermöglicht werden könne. Der Schulleiter der Rauenthaler Grundschule,
Adolf Seitz, nahm die Idee des Mehrgenerationentreffs auf und erläuterte seine Idee einer „offenen Schule“, in der nicht nur Schulkinder, sondern auch Erwachsene und Senioren ihren Platz
finden könnten. Schule als ein „Ort von Kultur und der gegenseitigen Unterstützung“ könne einerseits bedeuten, dass ältere Ehrenamtlich den jungen Menschen aus ihrem Erfahrungsschatz
berichteten. Andererseits könne man sich vorstellen, dass Schüler einen Computerkurs für Senioren veranstalteten. Anne Jansen, Leiterin der Erbacher Sonnenblumenschule, verwies daneben auf
die derzeit ungleiche Auslastung der Grundschulen im Stadtgebiet. Während beispielsweise die Freiherr-vom-Stein-Schule regelmäßig an ihre Kapazitätsgrenzen stoße, habe man in Erbach noch
Platz für weitere Schüler. Diese Situation müsse bei der Ausweisung von Neubaugebieten berücksichtigt werden. Stadtverordneter Harald Berg erkannte die Dringlichkeit dieser Entwicklung,
deutete aber an, dass derzeit keine Neubaugebiete geplant seien. Die Verteilung der Kinder auf die jeweiligen Schulen sei von je her ein problematisches Thema gewesen. Es könne aber überlegt
werden, ob eine Steuerung über unterschiedliche pädagogische Angebote möglich sei.
Schulleiterin Anne Jansen zeigte sich erfreut über die enge Kooperation zwischen der Sonnenblumenschule und den Erbacher Sportvereinen. So wurde auch die weitere Annäherung zwischen Vereinen
und Schulen als eine Möglichkeit des generationenübergreifenden Kontakts erkannt und schriftlich festgehalten. Schulleiter Seitz stellte daneben heraus, dass er auch grundsätzlich nichts
gegen eine Öffnung der Schule in der Nachmittagszeit einzuwenden habe. Dies könne die Jugendraumproblematik entschärfen. Es müsse allerdings zuvor geklärt werden, wer die Verantwortung zu
diesen Zeiten trage und wer für etwaige Schäden im Gebäude aufkomme.
Als ein weiteres Ziel im sozialen Eltville wurde die gesellschaftliche Integration aller Einwohner und insbesondere von Kindern und Jugendlichen erkannt. Stephan Fleschner vom Eltviller
Vereinsring fragte an, ob eine Initiative des Vereinsrings zur Übernahme des Vereinsbeitrages für Kinder aus finanzschwachen Haushalten erstrebenswert sei. Hierzu merkte Juso-Vorsitzende
Katarina Pfaff an, dass es bereits einen Antrag zur städtischen Übernahme eines Vereinsbeitrages gebe. Dessen konkrete Umsetzung befinde sich derzeit in der Prüfung der Verwaltung. Es sei bei
einer Kostenübernahme zu beachten, dass keine Stigmatisierung der Betroffenen stattfinde. Daher sei die kommunale Variante über die Stadtverwaltung einer internen Regelung vorzuziehen.
Auch auf das bestehende Seniorenkonzept der Stadt Eltville kam die Runde zu sprechen. Dies sei in der jetzigen Ausgestaltung vor allem ein Verdienst von Frau Gahn gewesen, würdigte Ralf
Bachmann ihren Einsatz. Es zeige sich aber auch, dass ein solches Konzept stets zur Weiterentwicklung verurteilt sei. Um ein selbstbestimmtes Leben im Alter zu ermöglichen, müsse auf neue
Möglichkeiten und Strukturen eingegangen werden. Dies solle sich auch im Seniorenkonzept weiterhin abbilden.
Als weitere Mittelziele wurden die Vereinbarkeit von Familie und Beruf sowie die Integration ausländischer Mitbürger genannt. Konkrete Umsetzungsmaßnahmen blieben allerdings offen. Für
Aufsehen sorgte die Idee eines Bürgers, alle bisher genannten Aspekte einer sozialen Stadt in einem Gesamtprojekt zu bündeln. Hierfür schlug er die Bezeichnung als Sozialzentrum Eltville vor.
Dort sollten alle sozialen Maßnahmen zusammengeführt werden. Dies beinhalte ein Mehrgenerationenhaus als Treffpunkt und ein Seniorenwohn- und Pflegeheim mit dem höchstmöglichen Erhalt der
persönlichen Selbständigkeit.
Ralf Bachmann zeigte sich mit Ablauf und den Ergebnissen der Auftaktveranstaltung sehr zufrieden. Man habe in einer offenen Runde viele sehr gute und außerordentlich interessante Ideen
aufnehmen können. Es gelte nun diese Ansätze in die öffentliche Debatte einzubringen und gemeinsam für eine soziale Stadt Eltville zu streiten. „Das Thema ist zu komplex, um es in 90 Minuten
abschließend besprechen zu können. Daher sehen wir das auch mehr als einen Prozess des Austauschs, der nun begonnen hat“, so Bachmann. Das nächste Perspektiv-Gespräch wird sich den Vereinen
widmen. Es soll dort unter anderem die kommunale Förderung der Vereinsarbeit und des Ehrenamts thematisiert werden.
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